SchreibSTART – 1. Die Welt der Schrift

Die Welt der Schrift

Ins Schreiben hinein...

Erfahrungen mit Schrift machen die Kinder lange vor der Schule und meistens auch vor dem Kindergarten. Sie sind neugierig und wollen schreiben wie die Erwachsenen. Der vergleichende Blick richtet sich dabei auf die Form und jedes Detail wird bei der Konstruktion mit dem Stift wichtig. Kinder werden zum Forscher von Zeichen und Schrift, entdecken und begreifen Schriftzeichen aus anderen Kulturkreisen, malen und gestalten, spielen und werkeln mit Buchstaben in der Leseecke und in der Schreibwerkstatt.

Donata Elschenbroich und Otto Schweitzer haben in Ihrem Film „Ins Schreiben hinein“ und in „Weltwissen der Siebenjährigen“ diesen Kosmos von Schreiben und Schrift einzigartig in Bild, Text und Ton aufgearbeitet. Es fasziniert mit- und nachzuerleben, wie in Deutschland und weltweit, Kinder unterstützt von Erwachsenen in Familie, Kindergarten und Schule sich die Zeichenwelt der Schrift erschließen und erschreiben.

Brügelmann hat, insbesondere mit seinem Spracherfahrungsansatz, Kinder auf dem Weg zur Schrift fachwissenschaftlich begleitet und Generationen von Lehrerinnen und Lehrer mit seinen methodischen Ideen und didaktischen Aufsätzen zum Erwerb von Sprache und entdecken der Schrift begeistert und angeregt.

Der symbolische Büchertisch ist ein kleiner Markt der Möglichkeiten, um in den Kosmos des Schrift- und Spracherwerbs einzutauchen, Kinder für die Welt der Schrift nachhaltig zu begeistern und die entscheidenden Lernjahre vor der Einschulung für Schreiberfahrungen von Anfang an richtig zu nutzen und zu begleiten.

Schreibenlernen ist Bewegungslernen. Die SchreibmotorikForschung zeigt auf, wie schreibmotorische Kompetenzen lange vor dem Schreibenlernen in der Schule erfolgreich gefördert und entwickelt werden können. Bewegungsabläufe für Schreiben und Schrift sind nicht beliebig. Variierende Bewegungserfahrungen mit dem Stift sind umso erfolgreicher, je gezielter kinematisch-motorische Kompetenzen trainiert werden. So sollen neben den Buchstaben vor allem auch schreibähnliche Bewegungen frühzeitig gefördert werden. Christian Marquardt und Karl Söhl zeigen in ihren Leitideen und methodisch-didaktischen Konzepten auf, wie wissenschaftlich gestützt, eine erfolgreiche Schreib- und Schriftentwicklung für Kinder in Vorschule und Schule in Trainingsbüchern umgesetzt werden kann (Stabilo Education). Die spielerischen schreibmotorischen Trainingsfelder korrespondieren dabei eng mit Prozessen des Schrift-Spracherwerbs. 

Ein Gespür für Bewegungen und Spuren

Kinder entdecken in der Vorphase von Schreiben und Schrift unterschiedliche Symbole, Zeichen und Piktogramme und lernen diese zu verstehen. Angeleitet werden sie zu kleinen Forschern, die sich auf die Suche nach Buchstaben ihres Namens machen. So werden Formverwandtschaften in unterschiedlichsten Größen, Farben und Typografien zu einem Buchstaben spielerisch entdeckt.

Wenn Kinder Bildsituation sprachlich erschließen, dann stützt dies auch die visuelle Wahrnehmung. Genau hinsehen und Hypothesen aufstellen: Kommt der Rauch wolkenähnlich aus dem Schornstein, ist er schwarz, wie zeichne ich ihn? Wie oft ist der Ball hin- und hergeflogen? Wohin fällt er? Die Räder bewegen sich, in welche Richtung, mache ich Kreisbewegungen auf der Stelle oder kreisele ich nach links? Was könnte sich noch bewegen? Ein Luftballon löst sich und fliegt nach oben. Die Schaukelbewegung – rauf, runter. 

Kreative Bewegungsspuren erfinden gelingt immer. Auslöser lassen sich finden in: Hüpfburgen, Trampolin, Windräder, Autoscooter, ….

In Buchstaben stecken „eingefrorene“ Bewegungen unterschiedlichster Spurverläufe. Sie gilt es im Umfeld zu entdecken und festzuhalten. Spurensammeln ist angesagt und das Kind braucht als Starthilfe ermunternde Fährtenleser, die den Spurbewegungen sprichwörtlich auf die Spur kommen. Das „Bild als Video“ oder Suchaufgaben nach dem Schema: „Ich sehe was, das sich bewegt“, sind eine unerschöpfliche Fundgrube bewegte Situationen zu entdecken, und diese dann grob- oder feinmotorisch mit Stiften oder Pinsel zu reaktivieren.

Der Stift in meiner Hand

Wenn es beim Schreiben an der Tafel unangenehm quietscht, dann ist die Ursache klar. Die angewandte Schreibtechnik für das Schreiben mit der Kreide ist ungeeignet. Die Tafelkreide muss, anders als ein Schreibstift, im Pfötchengriff gehalten werden. Das Handgewölbe umschließt, vier Finger halten und führen die Kreide mit dem Handgelenk; in der Regel muss sie halbiert werden.

Der “Drei-Fingergriff” gilt als die effizienteste Stifthaltung. Der Stift liegt auf dem leicht angewinkelten Mittelfinger und wird mit Daumen und Zeigefinger leicht gehalten und so bewegt, dass Spurbewegungen in allen Richtungen möglich werden. Der Arm liegt locker auf und dient nich als Stütze für den Oberkörper. Diese Griffart kommt aber für viele Kinder mit wenig Erfahrungen in feinmotorischen Abläufen und der sich entwickelnden Kinderhand oft noch zu früh. Wichtiger wären in dieser Phase vielfältige Erfahrungen mit gezielt angeleiteten Spur- und Maltechniken, die entweder mit Pfötchen- ,Drei- bzw. Vier-Fingergriff umgesetzt werden. Für kurze Wachsmalstifte reichen in aller Regel die Haltekräfte. Längere Wachsmalstifte sollten möglichst dick im Griff sein und die Farbe mit wenig Stiftdruck abgeben.

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Es gibt eine kritische Phase bei der Griffhaltung. Immer dann, wenn die längeren Wachsmaler -weil zurückgespitzt – immer kürzer werden, wechseln die Kinder nicht die Schreibtechnik, sondern verändern ihre Hand- und Fingerstellung so, dass der zu kurze Stift verkrampft und zu fest gehalten wird. Diese Haltung wird dann oft auf „normale“ Stifte transferiert und der Griffdruck und der Druck des Stifts auf und das Papier steigt. Für Kinder sind im Griff dickere Stifte, ergonomisch ausgeformte oder dreieckige Stifte hilfreich.

Die Abbildungen sind Momentaufnahmen aus einer 1.Jgst. Das nicht retouschierte Bild zeigt auch, wie sich die gesamte Schreibhaltung dramatisch verändern kann. Der Oberkörper ist stark nach vorne gekippt, mit seitwärts geneigtem Kopf knapp über die Schreibfläche, damit die Augen von unten irgendwie die Schreibbewegungen mitvollziehen können. Diese nach vorne geneigte Haltung ist häufig zu beobachten und Augenärzte bestätigen steigende Fehlsichtigkeiten, insbesondere Kurzsichtigkeit.

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Eine noch zu schwache Kinderhand greift nicht geeignete Stifte irgendwie, mit der Faust oder anderen seltsamen Finger- und Handstellungen. Aber es gibt auch Ausnahmen. „Kiosa“, 2,7 Jahre greift von sich aus den Dreikantstift im Vier-Fingergriff. Der Mittelfinger führt die Stiftbewegungen mit und der Stift liegt auf dem Ringfinger. Diese Stifthaltung ist sehr häufig in der Schule anzutreffen. Die Beweglichkeit in allen Schreibrichtungen ist möglich, die Stiftspitze wird nicht verdeckt und die Sitzposition mit Armhaltung kann entspannt eingenommen werden.

Zu viel Kraft

Kinder verwenden oftmals zu viel Kraft beim Malen, Zeichnen oder Spuren. Dies verstärkt sich bei nicht geeigneten Stiften oder einer ungeeigneten Sitz- und Armhaltung. Die aufgewendeten Kräfte zeigen sich im Griffdruck und /oder auf den Druck auf die Schreibunterlage.

Nebenstehendes Beispiel zeigt die auffallend durchgedrückten Stellen auf der Rückseite blau und grün markiert. Sebastian hat in seinem Schreibheft auf der Seite davor geübt: „schönXschönXschön“. Diese Druckstellen haben sich über zwei Blätter durchgedrückt (Vergrößerung).

Kinder mit diesem Problem ermüden schnell, die Hand schmerzt, im schlimmsten Fall bis zu Kopf- oder Nackenschmerzen.

Sebastian 1. Jgst, Schreibheft Vorderseite

Sebastian 1. Jgst, Schreibheft Rückseite

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