Schriften

Die Schulausgangsschrift

Die Entwicklung einer flüssigen, lesbaren und effizienten Handschrift gehört zu den unumstrittenen Fernzielen des Schreibunterrichts. Umstritten sind allerdings die Wege, wie diese Ziele erreicht werden sollen, wie die erstaunliche Vielfalt der Regelungen zur Ausgangsschrift in den einzelnen Bundesländern zeigt. Darüber hinaus wird über Bedeutung einer normierten Ausgangssschrift für der Entwicklung einer flüssigen Schreibschrift vermehrt diskutiert. Mit dem Begriff “Ausgangsschrift” wird ja gerade betont, dass es sich nur um eine mehr oder weniger brauchbare Grundlage zur Entwicklung einer individuellen Handschrift handelt.

Schulausgangsschriften   

Alle gängigen Schreiblerngänge stellen ein Zielalphabet in den Mittelpunkt des Schreiben Lernens. Das dahinter stehende Lernmodell geht davon aus, dass durch oftmaliges und präzises Wiederholen der Buchstabenformen sich die zugehörigen Bewegungsmuster ausprägen, verfeinern und schließlich als automatisierte Bewegungsprogramme im Gehirn gespeichert werden. Dabei wird jedoch übersehen, dass für das Nachzeichnen und das schnelle Schreiben völlig verschiedene motorische Steuerungsprozesse nötig sind.

Vergleicht man die Ausgangsschrift mit der Schrift von routinierten Schreibern, dann fallen die eklatanten Unterschiede vor allem in den formalen Aspekten sofort auf.

Schriftbild von routinierten Schreibern                                       

Unterschiede finden sich im Ausformungsgrad der Buchstaben (Großbuchstaben werden als Druckbuchstaben geschrieben), in der Vereinheitlichung der Drehrichtung beim Schreiben („n“ wird als „u“ geschrieben), Vereinfachung bestimmter Buchstaben solange die Lesbarkeit erhalten bleibt („h“ wird zu „l“), Weglassen ganzer Buchstaben am Ende von Wörtern, in dem oftmaligen Absetzen des Stifts nach 2-3 Buchstaben, in dem systematischen Anbinden bei bewegungstechnisch günstigen Buchstabengruppen („el“, „ch“) und dem systematischen Auseinanderschreiben bei ungünstigen Buchstabengruppen („nd“, „ig“), in verschiedenen Größenverhältnissen und verschiedener Neigung der Schrift. Während die Ausgangsschrift völlig von den präzisen Buchstabenform dominiert wird, scheint die routinierte Schreibschrift fast gänzlich von Effizienzkriterien bestimmt: Erlaubt ist offenbar fast alles, was die Effizienz des Schreibens erhöht, solange die Schrift lesbar bleibt. Genau die Aspekte aber, auf die in der Schule am meisten Wert gelegt wird, finden sich überraschender Weise kaum noch in der Schrift von erwachsenen routinierten Schreibern.

Wie kommt es zu diesen gravierenden Unterschieden zwischen der Vorgabe der Schriftform und der dann gelernten Schrift? Die Ausgangsschrift stellt zunächst ja nur eine exakte und formorientierte Modellvorgabe dar. Wie aber aus dem Kopieren der Ausgangsschrift eine bewegungsgünstige Schreibschrift entwickelt werden soll, und ob dieser Übergang überhaupt problemlos möglich ist, wird von den gängigen Schreiblehrgängen nicht schlüssig beantwortet und bleibt in der Praxis weitgehend den Schülern selber überlassen. Bei der resultierenden individuellen Schrift hat lediglich eine ungenügende Lesbarkeit pädagogische Konsequenzen. Die Probleme beim Übergang einer stark formbetonten Ausgangsschrift zu einer geschriebenen Schreibschrift wurden bisher aber noch nicht systematisch untersucht.