Schreibprobleme – Schreibtraining nach Mai

Motorisches Schreibtraining nach Prof. Mai & Kollegen

Das motorische Schreibtraining wurde ursprünglich von Prof. Norbert Mai und Dr. Christian Marquardt konzipiert und in der Vergangenheit durch weitere Kollegen/innen weiterentwickelt. Aus diesem Grund wird das Schreibtraining nach Prof. Mai und Kollegen als Münchner Schreibmotoriktraining weitergeführt. Es setzt sich im Wesentlichen aus drei Teilen zusammen und umfasst

  • eine ausführliche Leistungserfassung
  • ein motorisches Trainingsprogramm und Beratung unter Supervision eines spezialisierten Therapeuten
  • den Transfer der gelernten Übungen auf alltägliche, individuelle Situationen

Das Konzept kann bei unterschiedlichen motorischen Schreibproblemen eingesetzt werden (z.B. nach Schlaganfall, Morbus Parkinson, aufgabenspezifischer Dystonie wie Schreibkrampf)

Die Leistungserfassung (Diagnostik) beinhaltet ein ausführliches Anamnesegespräch und klinische Untersuchungen mittels computerunterstützter Schreibtests, bei welchen verschiedenste Parameter (z.B. Schreibflüssigkeit, Druck auf die Unterlage, Frequenz) analysiert werden.

Das Training

Die spezifischen Trainingseinheiten finden unter Supervision eines spezialisierten Therapeuten statt. Dadurch soll die Möglichkeit eingeschränkt werden, dass sich weitere falsche Muster oder Bewegungen etablieren können. Konkrete Inhalte des Trainings sind z.B.

  • Festlegen der individuellen Schreibziele
  • Nutzen und Aufbau vorhandener Leistungen
  • Abbau von erlernten Fehlstrategien (z.B. zu starkem Kontrollieren) und (Re)-etablierung adäquater motorischen Strategien
  • Erstellen eines individuellen Heimprogramms

Fortschritte sind meist nach vier bis fünf Einheiten zu erkennen, dann erfolgt der Transfer auf Alltagssituationen.

Durch unterschiedliche Untersuchungen konnte belegt werden, dass Patienten nach einem absolvierten Schreibtraining ihr Schreibverhalten verbessern konnten (Schenk et al. 2004; Baur et al. 2006, 2008, 2009). Nicht immer kann aber eine vollständige Heilung erreicht werden.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Neben dem Münchner Schreibmotorik Training nach Prof. Mai und Kollegen wird u.a. auch an der Uniklinik in Kiel an aufgabenspezifischen Dystonien geforscht und verschiedene Interventionen untersucht (z.B. Prof. Dr. Kisten Zeuner „Arbeiten mit Therapieknete“, „Training mit Fingerschienen“ oder das „Sensibilitätstraining nach Zeuner“). Außerdem gibt es einen Ansatz, der mit gezielter Verlangsamung (slow down exercises nach Sakai) arbeitet oder teilspezifische Ansätze wie die Verwendung von TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation) zur Lockerung der Muskulatur sowie die Immobilisierung von Unterarm und Hand mit einem anschließenden Aufbautraining der dystonen Extremität.

In vielen großen neurologischen Kliniken gibt es mittlerweile Dystoniesprechstunden. Die Deutsche Dystonie Gesellschaft (DDG) kann ebenso weiterhelfen.