SchreibmotorikCHECK – Schreibkompetenzen

Von Anfang an - Schreibkompetenzen fördern

Grundbewegungen - Der Motor für erfolgreiches Schreiben

Wenn der Schreibstift im Drei-, bzw. Vier-Fingergriff gehalten wird und irgendwelche Spurbewegungen ausführt, dann sind motorische Kompetenzen notwendig, die aus dem koordinierten Zusammenspiel insbesondere der Finger- und Handgelenk-, sowie der Armbewegungen erfolgen. Für die SchreibMotorikForschung sind drei motorische Grundbewegungen entscheidend. Alle Variationen von Spurbewegungen lassen sich  für das Schreiben ableiten und die kinematischen Parameter mit CS-Win ermitteln.

Liegt der Arm ruhig auf und bewegt sich nur das Handgelenk wie ein Scheibenwischer nach links und rechts, dann spurt ein Schreibstift diese typischen nach rechts geneigten Linien.

Arm und Handgelenk liegen ruhig auf dem Tisch, nur der Daumen und der Zeigefinger beugen und strecken sich, dann gibt es diese typischen vertikalen Linien.

Die Spurbewegungen erfolgten beginnend von oben. Arm und Handgelenk wurden dann in Pfeilrichtung (rot) verschoben und die Spurbewegungen wiederholt. So entsteht das typisch paralle Muster.

Bewegen sich das Handgelenk und gleichzeitig die Finger,  – der Arm liegt ruhig – dann entstehen Ovale bzw. Kringel mit Drehung nach links oder nach rechts; der Startpunkt ist markiert.
Bewegt sich zusätzlich der Arm in Schreibrichtung nach rechts, entstehen aus der Linksdrehung oben Schlaufen, bzw. Girlanden und Bögen oben offen.
Aus der Rechtsdrehung entstehen unten Schlaufen und geschlossene Bögen oben (Arkaden).

Wenn die Handgelenk- und Fingerbewegung nacheinander ausgeführt werden, spürt man die unterschiedliche motorische Ausführungsqualität ganz deutlich.

Schreibbeispiel

„Jakob“ besucht die 2. Jgst. der Grundschule. Seine Eltern waren hinsichtlich seiner Schrift besorgt und haben ihn nach einem halben Jahr zu einer Überprüfung vorgestellt. Die Abb. rechts zeigt „Saft“ mit markierter Bewegungsrichtung und Reihenfolge der Bewegungsverläufe. Mit dem Programm CSWin werden die Grund- und Schreibbewegungen qualitativ nach kinematischen Parametern, wie Druck, Geschwindigkeit und Beschleunigung erfasst und die schreibmotorischen Kompetenzen hinsichtlich kontrollierter bzw. automatisierter Bewegungsabläufe analysiert. Alle Spur- und Schreibbewegungen können außerdem beliebig oft, in Echtzeit und verlangsamt, nachverfolgt werden.

Die Datenauswertung für „Jacobs` “ Grundbewegungen zeigt, dass er beste Voraussetzungen zum schreibtechnischen Erwerb der Buchstaben mitbringt. Wie er diese umsetzt, ist insbesondere eine methodische Frage.

Im Einzelnen: Handgelenk (gelb) bzw. Finger (grün) zeigen perfekte Werte, heißt: die Geschwindigkeit für die drei Sekunden lange Messphase erfolgt sehr schnell und der Kurvenverlauf ist glatt. Die Kringel (bzw. Ovale, blau) als dritter Parameter für die Grundbewegungen zeigen im Vergleich eine etwas niedrigere Amplitude – also geringere Geschwindigkeit – und leichte Schwankungen, was auf Geschwindigkeitswechsel im Sinne von Beschleunigen und Bremsen hinweist. Der Automationsindex NIV=1,44 NIV ist aber noch im Normbereich. Der Schreibdruck liegt für alle Bewegungen unter dem Normalwert von 1,0 N.

Für das Schreiben von Wörtern sind die Voraussetzungen also perfekt. Jacobs Eltern hat in erster Linie seine diffuse Schreibung irritiert.

Wenn der Stift die Orientierung verliert

„Felix“ ist seit drei Monaten in der 2. Jgst. und beginnt mit der Vereinfachten Ausgangsschrift. Der Druckschriftlehrgang ist abgeschlossen. Das ausgewählte Wort zeigt exemplarisch ein häufig auftretendes Problem im Schreiblernprozess. Der Buchstabenabstand ist zu groß und manchmal klaffen größere Lücken im Wort. Was dazwischen passiert ist ohne unmittelbare Beobachtung nicht zu sehen.

Der Ausschnitt zwischen „u“ und „t“ zeigt in der Grafik ganz links (Pfeil) das Ende von „u“ und den Beginn einer gepunkteten, bogenförmigen Linie, die s-förmig weiterführt, immer enger und verschlungener wird und dann beim „t“ oben – ohne Pause – die sichtbare Schreibspur fortsetzt. Die Luftspur dauert 1,7 s. „Felix“ braucht für „Auto“ 7,1 s, davon ist er insgesamt 4,3 s in der Luft. 2,8 s ist der Stift auf dem Papier.

Viele Kinder haben in dieser Phase des Schreibenlernens keine Vorausplanung. Sie können Buchstaben aus den Grundelementen, Striche, Ovale, Bögen, als Form zusammensetzen, verfügen aber über keine trainierten motorischen Kompetenzen, wie sich die Grundelemente der Schrift effizient, als Grundbewegungen schreibmotorisch spuren lassen. „Felix“ findet schon kurze Luftsprünge (Pfeile), manchmal will er aber auch nur besonders schnell sein und findet dann den Startpunkt zum nächsten Buchstaben nicht.

Aus der SchreibmotorikForschung ist bekannt, dass Kontextbezüge Verursacher für langsameres Schreiben sein können. Das kann einerseits, je nach motorischer Kompetenz, bei Schreibanfängern Grundelemente von Buchstaben betreffen; isolierte Striche gelingen zunächst besser als zusammengesetzte, z.B. „K“.
Die Rechtschreibung ist andererseits oft Verursacher von Bewegungsblockaden beim Schreiben. So könnte auch „Felix“ über die korrekte Schreibung – „t“ in „Auto“ – nachgedacht und deshalb gezögert haben. Ich habe nicht nachgefragt.

Ganz anders bei „Leon“. Er hat attestierte Rechtschreibschwierigkeiten und erhebliche Schreibprobleme mangels geeigneter Schreibtechnik. Der Ausschnitt zeigt das Wortende von Anorak. Er hat lange gezögert, dabei immer den Stift in der Luft bewegt, ob er das Wort mit „k“ oder „ck“ schreiben sollte. Im Gegensatz zu „Felix“ setzt er die Buchstaben eng und erreicht mit 4,65 Hz fast die Höchstgeschwindigkeit mit 5,00 Hz. In der Datenauswertung zeigen sich auch hier die Unterschiede der diversen Schreibzeiten; 6,2 s für das Wort, davon 1,8 s auf Papier und 4,4 s in der Luft. Bis zum „r“ waren die Luftsprünge äußerst effektiv. Die Luftgeschwindigkeit war aber halb so hoch, wie die auf dem Papier, was auch auf eine Nachdenkzeit hinweist.  

Unnötige, den Schreibverlauf hemmende Luftbewegungen zeigen die Schriftbeispiele von „Dominik“ in „Limonade” und „Regenschirm“. Nach sehr zügigem Schreibverlauf bis zur mit grünem Kreis markierten Stelle beginnt eine Rückwärtsaktion, es wird nachgestückelt.

Nach „o“ erfolgt, bei „1“ rot markiert, ein „n-förmiger“ Bogen. Dann wird bei „2 “ der Schreibverlauf mit dem Oval von „a“ fortgesetzt und gestoppt. Der n-förmige Bogen wird bei „3“ angestückelt, bei „4“ das „a-Oval“nochmals überschrieben und das Wort mit „de“ beendet.

 Ähnlich bei „Regenschirm“. Die Luftbewegung rückwärts erfolgt nach dem „n“ mit kurzem Luftsprung (gelbe Spur) und der Anstückelung (rote Spur) zum berichtigten „e“. Grün markiert in „Regenschirm“ sind alle Stellen mit längeren Luftbewegungen, die eher als schreibtechnische Hürden bei Links- oder Rechtsovalen auftreten.

Schnelleres Schreiben ist möglich

„Larissa“, zu Beginn der 2.Jgst. Grundschule, schreibt die Wörter in der Schreibanalyse mit CSWin insgesamt sehr langsam. Die Schreibung von unten mit dem einzügigen  Bewegungsverlauf für das „R“ ist typisch, wenn auf Bewegungsrichtungen nicht geachtet wird. Alle anderen Buchstaben – bis auf „n“- schreibt „Larissa“  im Ablauf bewegungsrichtig. Bei Linksovalen setzen die Kinder häufig zu weit links an, müssen nachstückeln oder das Oval bleibt oben offen. „Larissa“ kommt an dieser Stelle auch ins Stocken (s. Lupe), führt aber die Bewegungsspur weiter.

Larissa, Regen langsam

Larissa, Regen schnell

Aus der SchreibMotorikForschung ist bekannt, dass z.B. Abstriche schneller ausgeführt werden können als Aufstriche und dass Buchstaben, eingebunden in einem Wort, in ihrer Bewegungsgeschwindigkeit ausgebremst werden. Deshalb wird vor jeder kinematischen Analyse jedes Wort mehrfach im Wortaufbau und in der Schreibung geübt.
Mit CSWin ist es möglich, die Bewegungsverläufe nur für bestimmte Bewegungsabschnitte zu isolieren und in Echtzeit am Monitor ablaufen zu lassen. Ganz genau können dann die Spurbewegungen kinematische analysiert werden; folgend die „R“ Schreibungen von „Larissa“.

Die Muskulatur der Finger in der Schreibhand wird im „Stop-and-go“ Modus angesteuert und führt zu Spurbewegungen beim „R“, die sehr kurzzeitig beschleunigt und wieder abgebremst werden, insgesamt mehr als 20-mal. Beim Autofahren würde man in kurzen Abständen das Gaspedal drücken bzw. vom Gas gehen und so ruckartige Temposchwankungen im Bewegungsablauf erzeugen. Ein flüssiger Geschwindigkeitsverlauf ist nicht erreichbar. Die Grafik (linkes Feld) zeigt die nicht-ökonomische Spurbewegung (von links unten in einem Zug nach rechts) und im rechten Feld die permanenten Einbrüche im Geschwindigkeitsverlauf.

Auf der kurzen Schreibstrecke steigt der Druck beständig an (linkes Feld). Würde das „R“ mit Spurbewegung von oben und Luftsprung zum Bogen geschrieben, könnte sich der Schreibdruck auf die Hand kurz entspannen. So steigt er auf das fast Dreifache an. Die Beschleunigungsschwankungen (rechtes Feld) zeigen die unrhythmischen Abläufe noch dramatischer. „Larissa“ hat dies bei der gemeinsamen Analyse treffend bezeichnet: „Da wird dem Stift richtig schlecht und er muss sich übergeben“.

Larissa: “R” langsam, Geschwindigkeit und Druckverlauf

Viele Kinder bringen wie „Larissa“ zu Schulbeginn kinematische Kompetenzen mit, die durch ungeeignete Methoden im Schreiblernprozess nicht abgerufen werden. Sie hat im Anschluss versucht, das Wort „Regen“ nochmals, aber schneller zu schreiben, und dies mit Erfolg! Dies zeigt sich im Vergleich der Geschwindigkeits- und Beschleunigungskurven. Die Kurvenverläufe erfolgen schon wesentlich rhythmischer und gleichmäßiger.
„Larissa“ war zufrieden: „Jetzt geht es dem Stift viel besser“.

Die kinematische Analyse für die beiden Wörter bestätigt, dass sich die Werte – Ausnahme der Druckverlauf – deutlich verbessert haben. Für das blau markierte „R“ braucht „Larissa“ statt 1.7 Sekunden nur noch etwa 1 Sekunde. Der Faktor für automatisiertes Schreiben NIV hat sich von 21auf 3 deutlich verbessert und nähert sich dem Normalbereich an.

Larissa: “R” schnell, Geschwindigkeit und Druckverlauf

 Bewusst schneller
(>> SchreibMotorik/PRAXIS)

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