SchreibmotorikCHECK – Meine Schrift

Die eigene Schrift entdecken

Mein Name - meine Buchstaben

Kinder entdecken in aller Regel schnell die Beziehung zwischen eigenen Zeichnungen und den Buchstaben ihres Namens. Was geschrieben ist, ob als Kritzel gespurt oder  Buchstabe für Buchstabe angestrengt geschrieben, immer hat es für das Kind eine immense Bedeutung. In dieser Startphase des Schreibens braucht das Kind die aufmerksame Begleitung mit den von Anfang an richtigen Tipps zum Schreiben und zur Schrift. (SchreibMotorikPraxis).

Susanne ist 5 Jahre alt, im 2-ten Kindergartenjahr und schreibt ihren Namen bei dieser Übung auswendig auf, insgesamt 7-mal. Nach jeder Verschriftung wird das Blatt nach hinten gefaltet. Die Schreibräume sind so nicht begrenzt und die Buchstabenhöhe liegt bei 2cm (Ausnahme Versuch 2, 2,5cm für ANNE).
Alle Buchstaben erfolgen im richtigen Bewegungsablauf langsam, aber nicht stockend. Die nachträglich eingefügte Lineatur zeigt, wie gleichmäßig die Buchstaben kursiv geschrieben wurden und den perfekten Abstand zu einander.

Susanne bringt beste motorische Fertigkeiten mit, hatte in der Familie und im Kindergarten immer perfekte Vorbilder und ist ein Beispiel für: „Von Anfang an richtig“, orientiert an fünf“ Kriterien und  fünf Merkhilfen mit „S“:

1. Spuren: Wo beginnt und endet die Spurbewegung für meinen Buchstaben
2. Sprechen: Bewegungsbegleitend die Spurbewegung kommentieren.  „Bogen nach  links und Bogen nach rechts, das ist mein S“; oder: „Ruunter – Boogen – rauf, mein U“. Dieses bewegungsbegleitende Sprechen kann auch den Tempoverlauf beim Spuren unterstützen.
3. Spielen: Die Bewegungsausführung spielerisch variieren: Ruhig  krumme und schiefe Formen erzeugen, mal größer, mal kleiner, mit verschiedenen Stiften und Farben, mit Druck oder ganz leicht gespurt. Es gibt kein falsch aber ein ermutigendes: „Probier` es aus, unbedingt auch schneller“
4. Sitzen: Im Liegen, Gehen und Stehen geht es, aber am besten im Sitzen.
5. Stifthaltung: siehe SchreibMotorikMonitoring

Robert ist ein Jahr älter als Susanne. Er schreibt seinen Namen aus dem Gedächtnis und nicht erwartungsgemäß – in Groß- und Kleinbuchstaben. Die Faltlinien sind deutlich,die Wortlänge ist angegeben. Die Buchstaben des eigenenNamens werden am häufigsten geschrieben und deshalb ist die Konstanz für gleiche Bewegungsabläufe so wichtig. Fünf von sieben „b“ (gelb markiert) werden von oben in einem Zug mit Linksbogen gespurt. Richtig wäre von oben nach unten, kurzer Deckstrich nach oben und Bogen nach rechts. „R“ ist immer richtig bis auf den Start (grün markiert). Hier erfolgt die Bewegung von unten nach oben mit kur-zem Stopp und abschließendem Schrägstrich.

Susanne und Robert zeigen schon eine beachtliche schreibmotorische Kompetenz, weil von Beginn an auf ein bewegungsgerechtes Schreiben geachtet wurde und hemmende Bewegungsabläufe berichtigt wurden. Bei einer kinematischen Analyse wäre interessant gewesen, ob sich schon automatisierte Bewegungsabläufe in den Namen einstellten.

Lukas ist in der gleichen Gruppe. Seine Schreibrichtung läuft von rechts nach links. Die Buchstaben vergrößern sich zu Beginn von 2cm bis 5cm bei „S“, pendeln sich aber dann bei 2cm ein. Seinen zunächst großen Schreibraum (s. Faltlinien) verkleinert er zunehmend. Auch Lukas schreibt auswendig mit gespiegelten Buchstaben. Der Bewegungsverlauf wurde nachträglich eingezeichnet und zeigt die Konstanz bei Bewegungsbeginn. Er schreibt auch die Buchstaben nach links. Nur bei „A“wechselt er die Schreibrichtung und beginnt links oben; der Querstrich wechselt von rechts nach links. Die folgenden Verläufe beim „A“ erfolgen korrekt. Große Probleme bereiten ihm das „K“. Er sucht den Bewegungsverlauf mit jeder Verschriftung und nähert sich mit dem letzten Versuch (grün nachgespurt) an. Lukas ist Linkshänder. Bei feinmotorischen Aktivitäten führt eindeutig die linke Hand, z.B. Papierschnipsel reißen oder mit der Schere schneiden. Dabei benutzt er bevorzugt die Schere für Linkshänder. Nur beim Schreiben wechselt er den Stift zwischendurch auf rechts, wie auch bei dieser Schreibung und zur Überraschung der Erzieherin beim Besuch des Studienseminars. (siehe SchreibmotorikMonitoring)

 

Und „so“ schreibe ich

 „Ich bin froh, dass ich nachgefragt habe“, sagt Herr Keuner in einer Bertold Brecht Geschichte, als er die Zeichnung seiner Nichte anschaute. Sie stellte ein Huhn dar, das über einen Hof flog. “Warum hat dein Huhn eigentlich drei Beine?”, fragte Herr Keuner. “Hühner können doch nicht fliegen”, sagte die kleine Künstlerin, “und darum brauchte ich ein drittes Bein zum Abstoßen.”
”Ich bin froh, daß ich gefragt habe”, sagte Herr Keuner.

Wenn Kinder die Schrift-Sprache entdecken, bringen sie beim Schreiben von Wörtern gerne eigene Interpretationen in ihre Schreibhandlung mit ein. Abweichende oder unerklärliche Schreibungen können dann schon mal zu fehlerhaften Interpretationen oder Hypothesen führen. Folgendes Beispiel aus einemVideomitschnitt zum „leeren Blatt“ wird dies verdeutlichen.

„Markus“ hat sich und seinen großen Bruder „Thomas“ gezeichnet. Daneben ist  SAMOT und MARKUS zu lesen. Aufschlussreich, wenn man dabei war, oder die Auflösung für SAMOT im Nachgang im Video erklärt wird. Für „Markus“ ist alles ganz logisch. Der Name seines Bruders geht, wie sein eigener Name, „von ihm weg“. Also von rechts nach links, was nichts anderes heißt als TOMAS. So einfach und keine vorschnellen Diagnosen.

Gut, dass nachgefragt wurde. Noch besser, wenn regelmäßig und wann immer möglich der Schreibprozess selbst beobachtet und das Kind zu seinen Zeichnungen, Wörtern und anderen Schriftzeichen erzählen darf.

Kein Wort schreiben die Kinder so häufig wie ihren Namen. Es wäre also zu vermuten, dass diese Buchstaben besonders zügig geschrieben werden.
Die SchreibMotorikForschung zeigt dagegen, dass auch die eigenen Namen überwiegend mit hohem motorischen Aufwand geschrieben werden. Die Vermutung ist, dass der Name besonders schön aussehen soll und deshalb betont langsam und formgenau die Buchstaben mit kontrollierten Bewegungen gespurt werden. Umso wichtiger ist in dieser frühen Phase des Schreibens deshalb die wiederholte Erinnerung: Von Anfang an richtig“.

Schreibspuren in meinen Bildern

Kinderzeichnungen korrespondieren eng mit schreibtechnischen Umsetzungen.
Sie sind deshalb eine lohnenswerte Fundgrube herauszufinden, welche schriftnahen Spuren das Kind in seinen Zeichnungen verwendet.

Kinder spuren bis zur Einschulung in der Regel mit Großbuchstaben. Sie sind einfacher in der Form und lassen sich mit wenigen Grundelementen konstruieren. Die Zeichnung von Lena zeigt gerade Linien waagrecht, senkrecht und schräg verlaufend, Ovale nach links und rechts, offen und geschlossen. Schraffuren erfolgen zügig ausgerichtet in gesetzten Rahmen. Das dichte Hundefell wird arkaden- und girlandenförmig um die Kontur gespurt. Das Geburtstagsbild mit Luftballon, Herzchen und vorgeschriebenen Ziffern zeigt ihren Onkel mit Glatze. Und weil ihr alle Buchstaben wichtig sind signiert sie mit MAGDALENA. 

Diese Grafik zeigt grundlegende Bewegungsabläufe in dynamischen Schreibräumen. Sie sind die Klaviatur für das Schreiben der Groß- und Kleinbuchstaben. Von Anfang an und in spielerisch angelegten Bildern mit ausgewählten Bewegungsabläufen können die Kinder ihrer Fantasie freien Lauf lassen. In gefalteten Papierformaten lassen sich z.B. variierende Größen spuren mit spürbarer Rückmeldung der Faltlinien auf den Bewegungsverlauf. (SchreibmotorikPraxis)

Kinder brauchen vielfältige Bewegungserfahrungen mit diesen Spurbewegungen. Die Ausführung ist aber nicht kleinräumig auf Schreibstifte gebunden, sondern sollte grundsätzlich auch mit großmotorischen Bewegungen aus den Armen heraus erfolgen. Vielfältige sensomotorische Kompetenzen, koordinative Handlungsfähigkeit und motorisches Steuerungsvermögen sind wichtige Teilfähigkeiten, die in einer bewegungsaktiven Umgebung entwickelt und gefördert werden. Mit rhytmischen Gymnastikbändern für Kinder lassen sich z.B. mit dem rotierenden Stab großmotorisch Bewegungsreize für Spurbewegungenen aus Arm- und Handgelenksbewegungen auslösen, die dann kleinmotorisch zu kreativen Spurbewegungen mit Pinsel und Stift führen. 

 

Buchstabenähnliche Spurbewegungen sollten von Anfang an schreibmotorisch-kinematisch trainiert werden. Bilder zeigen es, die SchreibmotorikForschung beweist es. Wie erwachsene Schreiber können Kinder einfache Abstriche, horizontal ausgeführte Striche, kreisförmige Kringelbewegungen, oder Strichfolgen in Bewegungsrichtung automatisiert spuren.

Entscheidend sind die vielfältigen kinematischen Erfahrungen mit variativen Spurfolgen z.B. auf unterschiedlichen Materialien und verschieden großen Formaten. Kinder brauchen auch keine Hilfslinien oder Spezialpapiere mit Vertiefungen oder andere werbewirksam in Szene gesetzten Wunderstifte. Spurerfahrungen in verschiedenen Größen, mal langsam und mal schnell ausgeführt, mit wechselnder Druckstärke im Sand, Schnee, angehauchter Scheibe oder mit dem ausgestreckten Finger im Badewannenwasser oder aber mit verschiedenen Stiften, Pinseln, Farbkreiden, …. je vielfältiger, desto erfolgreicher werden die erworbenen motorischen Kompetenzen auf das Spuren von Buchstaben transferiert werden können.

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